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Es wurde ein KI-Bewerbungsfoto durchgeführt, um zu zeigen, wie effektiv FormalFrames ist


KI-generierte Bewerbungsbilder Was kann KI als Fotograf für Bewerbungsfotos?

Mit Künstlicher Intelligenz zum Bewerbungsfoto? Anbieter wie Remini oder Formal Frames versprechen das perfekte Bild. Doch funktioniert das wirklich? Ein Selbstversuch.

Bewerbungsbilder sind so eine Sache für sich. Sie sollen zum jeweiligen Unternehmen passen, aber auch authentisch sein. Manche bevorzugen ein Lächeln in die Kamera. Andere lieber einen ernsten Blick. Und ich? Ich mag es gar nicht, wenn Bilder von mir gemacht werden. Der Gang zum Fotostudio ist für mich jedes Mal eine Qual. Doch dafür könnte es eine Lösung geben.

Mein TikTok-Feed ist voll mit Menschen, die aus ihren Selfies Bewerbungsbilder machen – mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI). Die Videos implementieren, dass ich innerhalb kürzester Zeit mit nur einem Foto zum guten Bewerbungsbild gelange. Doch ist es so einfach, wie es wirkt?

Also beginne ich meine Recherche. Neben der auf TikTok genutzten App Remini gibt es mittlerweile eine Handvoll von Anbietern – einige Apps, aber auch ein paar Webseiten. Ich bleibe schließlich bei der Homepage zweier Schweizer hängen. FormalFrames generiert aus zehn bis 15 Fotos Bewerbungsbilder. Und auf der Webseite sehen die ziemlich realistisch und professionell aus. Also probiere ich es mal selbst aus. Denn mein LinkedIn-Profilbild ist auch nicht mehr auf dem neuesten Stand und könnte einen Feinschliff vertragen.

„Professionelle Bewerbungsfotos generieren ist easy“, steht auf der Webseite. Doch, stimmt das? Als erstes muss ich eine Fotoauswahl machen. Hört sich zunächst einfach an. Aber die Bilder müssen einige Voraussetzungen erfüllen: verschiedene Gesichtsausdrücke, gute Lichtverhältnisse, ohne andere Menschen und keine Accessoires. Es dürfen zwar Selfies dabei sein, aber besser eher weniger. Die Suche nach geeigneten Bildern gestaltet sich also doch schwieriger als erwartet.

KI-Bewerbungsfoto: Die optimale Bildauswahl

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KarriereFunk

Ich habe zwar viele Fotos auf meinem Handy. Aber bei den meisten Bildern gibt es ein Manko. Mal sitzt eine Sonnenbrille auf meinem Kopf. Mal sind Freundinnen oder Freunde mit drauf. Mit viel Mühe finde ich schließlich doch zehn Bilder, die einigermaßen okay – aber bei weitem nicht optimal sind. Deshalb muss ich mich auf einige Abstriche bei den generierten Bildern einstellen. So „easy“ war es dann also doch nicht. Danach muss ich nur noch meine E-Mail-Adresse angeben und bezahlen.

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Für knapp zehn Franken bekomme ich dann meine KI-generierten Bewerbungsbilder. Nach etwa 90 Minuten soll ich eine Mail mit über 60 Bildern erhalten. Davon sollen die meisten allerdings Artefakte enthalten. Also Fehler, die nicht zum Foto passen, wie beispielsweise ein zusätzlicher Arm. Die Macher der Webseite versprechen aber ein sehr gutes und drei bis vier gut generierte Bilder, weisen aber auch nochmal daraufhin, dass je besser die hochgeladenen Bilder sind, desto besser auch die generierten Portraits werden.

Nach rund einer Stunde landet die Mail von Formalframe in meinem Postfach. 62 generierte Bilder sind es schließlich geworden. Doch die meisten sind wie zu erwarten nicht brauchbar. Es sind sehr merkwürdige Bildfehler dabei. Aber auch seltsame Bildausschnitte. Mein Highlight ist ein generiertes Ganzkörperbild mit einem sehr seltsam definierten Gesicht:

Schließlich entscheide ich mich für drei Bilder, die ich ganz in Ordnung finde. Zwei weitere Portraits schicke ich an FormalFrame zurück. Denn es ist möglich, die Bildausschnitte neu anpassen zu lassen. Nach einem weiteren Tag bekomme ich ein angepasstes Portrait zurück. Bei dem zweiten Bild sei das nicht mehr möglich gewesen. Insgesamt habe ich also vier Bilder, aber alle haben ein Problem.

Ich erkenne mich zwar selbst in den Bildern wieder. Aber ich sehe dennoch anders aus. Meine Wangen sind aufgedunsener als in Realität. Meine Lippen sind größer und meine unterschiedlich großen Augen stechen bei den generierten Portraits mehr hervor als es in Wirklichkeit der Fall ist. Und deshalb möchte ich von meinen Kolleginnen und Kollegen erfahren, wie sie die Bilder bewerten würden.

Wie bewerten Kolleginnen und Kollegen die Bilder?

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Insgesamt befrage ich vier Kolleginnen und Kollegen. Ihr Urteil ist eindeutig: Die Bilder würden mir zwar ähnlich sehen und man könnte mich erkennen, aber sie würden nicht mein wirkliches Ich abbilden. Eine Kollegin fasst zusammen: „An den Wangen sieht es sehr aufgeplustert aus. Deshalb würde ich in Schulnoten eine vier geben.“

Meine Kolleginnen und Kollegen sehen mich jeden Tag. Und nur, weil mir das Bild nicht ähnlich sieht, bedeutet das nicht, dass die Portraits nicht professionell sind. Deshalb frage ich auch bei der Personalabteilung der Handelsblatt Media Group (HMG) nach. Stefan Stahl ist HR Business Partner bei der HMG und hat regelmäßig mit Bewerbungen zu tun. Direkt zu Beginn stellt er klar, dass ein qualitativ schlechtes oder gar kein Bild in einer Bewerbung für ihn kein Ausschlusskriterium sind. Das darf es auch nicht sein, da dies im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verankert ist.

Schneller schlau: So lernen Maschinen das Denken

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Viktor Foos

Mit Kameras, Mikrofonen und Sensoren erkunden die Maschinen ihre Umwelt. Sie speichern Bilder, Töne, Sprache, Lichtverhältnisse, Wetterbedingungen, erkennen Menschen und hören Anweisungen. Alles Voraussetzungen, um etwa ein Auto autonom zu steuern.

Neuronale Netze, eine Art Nachbau des menschlichen Gehirns, analysieren und bewerten die Informationen. Sie greifen dabei auf einen internen Wissensspeicher zurück, der Milliarden Daten enthält, etwa über Personen, Orte, Produkte, und der immer weiter aufgefüllt wird. Die Software ist darauf trainiert, selbstständig Muster und Zusammenhänge bis hin zu subtilsten Merkmalen zu erkennen und so der Welt um sie herum einen Sinn zuzuordnen. Der Autopilot eines selbstfahrenden Autos würde aus dem Auftauchen lauter gelber Streifen und orangefarbener Hütchen zum Beispiel schließen, dass der Wagen sich einer Baustelle nähert.

Ist das System zu einer abschließenden Bewertung gekommen, leitet es daraus Handlungen, Entscheidungen und Empfehlungen ab – es bremst etwa das Auto ab. Beim sogenannten Deep Learning, der fortschrittlichsten Anwendung künstlicher Intelligenz, fließen die Erfahrungen aus den eigenen Reaktionen zurück ins System. Es lernt zum Beispiel, dass es zu abrupt gebremst hat und wird dies beim nächsten Mal anpassen.

Dennoch werden immer mehr Bewerbungsbilder bearbeitet. Auch bei meinen Bildern geht er im ersten Moment von bearbeiten Fotos aus. So würde er auch meine Bewerbungsbilder einordnen: „Wenn ich die Fotos vorgelegt bekomme, würde ich nicht erkennen, dass die KI-generiert sind.“

Er bewertet die KI-generierten Portraits mit dem Urteil „In Ordnung“. Die Hintergründe seien zu großen Teilen schlicht und wirkten deshalb professionell. Auch die Kleidung, die mir die KI von FormalFrame verpasst hat, sei für Bewerbungsbilder angebracht. Doch er hat auch einen Kritikpunkt: „Du schaust auf den Bildern sehr ernst. Ein freundlicher Blick wäre authentischer.“ Und auch er stellt fest, dass die Ähnlichkeit zwischen den generierten Portraits und mir nicht wirklich groß ist.

Fazit

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Die fehlende Ähnlichkeit macht es mir dann schließlich leicht: Keines der KI-generierten Bilder wird mein neues LinkedIn-Profilfoto. Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich die Idee aus einfachen Selfies ein professionelles Bild zu erstellen, gut finde. Da meine Bilderauswahl, die ich eingereicht habe, auch nicht optimal war, geht etwas Schuld auch auf meine Kappe. Dennoch sind die Anforderungen an die optimalen Bilder sehr hoch, weshalb ich doch lieber weiterhin zu meiner Fotografin des Vertrauens gehen werde. Auch wenn ich dann vor einer weißen Wand in die Kamera lächeln darf.

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Author: Emily Sweeney

Last Updated: 1703672641

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Name: Emily Sweeney

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Job: Park Ranger

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